Eisvogel
Der Eisvogel ist einer jener Vögel, bei denen man beim Fotografieren schnell lernt, genauer hinzusehen. Sein leuchtendes Blau fällt auf. Sein Verhalten verrät dagegen oft erst auf den zweiten Blick, wo er gleich auftauchen könnte.
Wer ihn fotografieren möchte, braucht einen guten Standort, ein Auge für das Geschehen am Wasser und vor allem Geduld. Selbst wenn man weiß, wo sich ein Eisvogel aufhält, ist noch lange nicht gesagt, wann er sich zeigt.
Am Wasser
Mein Hausgewässer ist ein kleiner Bach. Hier bin ich regelmässig mit der Kamera unterwegs, und mit etwas Geduld lässt sich auch der Eisvogel beobachten.
Oft macht er sich schon durch seinen charakteristischen Ruf bemerkbar, bevor man ihn überhaupt zu Gesicht bekommt. Manchmal hört man ihn während des Anflugs, bevor er sich auf einen Ansitz setzt und von dort aus das Wasser beobachtet. Dann heisst es, bereit zu sein. Denn wie lange er bleibt, lässt sich kaum vorhersehen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Begegnung, mit der ich nicht gerechnet hatte: Plötzlich waren zwei junge Eisvögel gleichzeitig da. Beide setzten sich auf meinen Ansitzast, als hätten sie sich genau diesen Platz ausgesucht.
Solche Momente lassen sich nicht planen. Man kann sich vorbereiten, den Standort kennen und die Kamera griffbereit haben. Was dann tatsächlich passiert, entscheidet die Natur.
Gerade das macht für mich einen Teil der Naturfotografie aus. Man wartet auf eine bestimmte Gelegenheit und erlebt manchmal etwas ganz anderes, als man erwartet hat.
Das Bild und der Moment
Am kleinen Bach gibt es immer wieder etwas zu beobachten. Nicht jeder Besuch bringt die erhoffte Aufnahme, und längst nicht jeder Moment lässt sich festhalten.
Aber manchmal sitzen plötzlich zwei junge Eisvögel gleichzeitig auf dem Ast, den man schon so oft im Blick hatte. Und dann ist man froh, gerade zur richtigen Zeit dort gewesen zu sein.
Jakob Günther